Merlijn - 11 / Oct / 2026
Darum musst du oft nicht bei hohen Temperaturen waschen | Grace is Green
Viele Menschen waschen bei einer höheren Temperatur als nötig, obwohl es viel umweltfreundlicher ginge. Die Vorstellung, dass heißer auch sauberer bedeutet, stammt aus einer Zeit, in der Waschmittel erst bei hohen Temperaturen richtig wirkten. Aber wird deine Wäsche bei 30 Grad wirklich ganz sauber? Wir haben uns angeschaut, was die Forschung sagt, wann eine höhere Temperatur doch nötig ist und wie du möglichst nachhaltig wäschst.

Wird Kleidung bei 30 Grad wirklich sauber?
Das ist nicht so einfach zu beantworten. Laut einer Studie der Universität Gent (UGent) sind Bakterien nach einer 30-Grad-Wäsche noch größtenteils auf der Wäsche vorhanden. Die Forschenden fanden sogar bis zu einer Million Bakterien pro Milliliter Wasser. Das klingt zunächst ziemlich bedenklich, ist aber nicht unbedingt ein Problem. Rund 95 % davon sind nämlich sogenannte „gute“ Bakterien. Diese Bakterien schaden uns nicht, und wir begegnen ihnen ständig auf unserer Haut, in unserem Darm und im Alltag.
Krankheitserregende Bakterien und Bakterien aus Fäkalien waren in der Studie der UGent nach einer 30-Grad-Wäsche nicht mehr vorhanden. Für gesunde Menschen, also ohne geschwächtes Immunsystem, macht eine Wäsche bei 30 Grad deshalb kaum einen Unterschied für die Hygiene deiner Wäsche.

Wann wirkt ein Waschmittel bei niedriger Temperatur gut?
Ein Waschmittel wirkt gut, wenn es Enzyme enthält, und das ist bei den meisten modernen Waschmitteln der Fall. Enzyme wie Amylase, Protease und Lipase sind so zusammengesetzt, dass sie bei verschiedenen Temperaturen arbeiten, auch bei 30 Grad Celsius. Sie bauen Stärke, Eiweiße und Fette ab. Das sind auch die Stoffe hinter den meisten alltäglichen Verschmutzungen wie Schweiß oder Staub.
Früher wirkten Waschmittel erst bei hohen Temperaturen, und daher kommt wahrscheinlich auch unser Glaube an heiße Wäschen. Heute sind die Enzyme im Waschmittel chemisch so angepasst, dass sie auch bei niedrigeren Temperaturen wirksam sind. Die Wirksamkeit hängt also nicht nur von der Temperatur ab, sondern vor allem vom Waschmittel.
Was macht Waschen bei 30 Grad mit deiner Waschmaschine?
Wer standardmäßig bei 30 Grad wäscht, tut der Umwelt etwas Gutes. Deine Waschmaschine bekommt die niedrige Temperatur allerdings auch zu spüren. Waschmittelreste, Hautfett und Schmutz sammeln sich in der Trommel, in der Gummidichtung und in der Waschmittelschublade an, und bei niedrigeren Temperaturen lösen sich diese Reste schlechter. Dann kann ein sogenannter Biofilm entstehen, eine fettige Schicht voller Bakterien. Dadurch fängt deine Maschine an, muffig zu riechen, und nach einer Weile auch deine Wäsche.
Eine gelegentliche Pflegewäsche reicht aus. Lass zum Beispiel einmal im Monat eine leere Wäsche bei 60 Grad oder mehr laufen und wische danach die Gummidichtung sauber. Auch die Waschmittelschublade kannst du reinigen.

Macht die Art des Waschmittels bei niedriger Temperatur noch einen Unterschied?
Manche Waschmittel enthalten spezielle Zusätze, zum Beispiel Bleichmittel für weiße Wäsche oder Sauerstoffbleiche. Diese können Bakterien bekämpfen, gegen die Enzyme allein nichts ausrichten. Viele umweltfreundliche Waschmittel verzichten bewusst auf Bleichmittel, weil diese der Umwelt und empfindlicher Haut schaden. Mit umweltfreundlicheren Waschmitteln ist es bei bestimmten Flecken deshalb manchmal besser, eine höhere Temperatur zu wählen.
Wann solltest du doch bei 60 Grad waschen?
Wenn du krank bist oder hartnäckige Gerüche oder Flecken loswerden willst, ist es sinnvoll, deine Kleidung bei 40 oder 60 Grad zu waschen. Achte dabei natürlich auf das Material. Baumwolle lässt sich gut bei hohen Temperaturen waschen, ohne auszuleiern oder beschädigt zu werden. Kleidung aus Synthetik, Wolle, Leinen oder Seide ist für solche Temperaturen nicht geeignet.
Kannst du jedes Textil bei 30 Grad waschen?
In den meisten Fällen ist Waschen bei 30 Grad völlig in Ordnung, aber was am besten funktioniert, ist je nach Textil unterschiedlich. Bettwäsche und Handtücher kannst du meist problemlos bei 40 Grad waschen. Ausnahmen sind eine Hausstaubmilbenallergie, ein muffiger Geruch oder eine kranke Person im Haushalt. Geschirrtücher, Spüllappen und andere Küchentextilien tauschst du am besten regelmäßig aus und wäschst sie bei 60 Grad.
Zum Schluss noch ein kniffliger Fall: Sportkleidung. Sie besteht oft aus synthetischen Stoffen, die Gerüche leichter festhalten als Baumwolle, aber hohe Waschtemperaturen schlecht vertragen. Wasche Sportkleidung deshalb auf links gedreht bei 30 oder 40 Grad.

Wie funktionieren Eco-Programme bei der Waschmaschine?
Auch das Waschprogramm und die Art des Trocknens können einen großen Unterschied machen. Viele Waschmaschinen haben ein Eco-Programm, das länger dauert, aber meist weniger Energie verbraucht. Die Maschine heizt das Wasser weniger auf und gleicht das aus, indem sie die Wäsche länger einweichen und drehen lässt. So haben die Enzyme im Waschmittel mehr Zeit, ihre Arbeit zu tun.
Auch das Trocknen ist wichtig. Ein Wäschetrockner verbraucht viel Energie, oft mehr als die Wäsche selbst. Hänge deine Wäsche daher so oft wie möglich draußen oder auf einem Wäscheständer auf.
Wie wäschst du also umweltfreundlich?
Umweltfreundlich waschen geht meist bei 30 Grad, außer bei bestimmten Gerüchen oder Flecken. Nachhaltiger waschen kannst du auch mit einem natürlichen Waschmittel oder einem Eco-Programm. Wenn du eine Alternative zum Trockner suchst, wähle eine höhere Schleuderdrehzahl. Und wenn du weniger Waschmittel verwenden möchtest, sind Waschnüsse oder Pulver ebenfalls eine gute Alternative.
Letztlich geht es beim Waschen um Effektivität. Du möchtest so wenig Produkte, Wasser und Strom wie möglich verbrauchen und trotzdem saubere Wäsche bekommen. Behandle Flecken deshalb immer vor, damit du sie nicht unbedingt heißer waschen musst. Verwende eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichem Waschmittel und wasche standardmäßig bei 30 Grad Celsius.









